Flüchtlingshilfe Neumarkt
Flüchtlingshilfe Neumarkt

Flüchtlinge berichten

 

November: Elana

 

Elana: Ich fühle mich in Deutschland sicher. Danke! Ich lerne fleißig und möchte studieren.

Oktober: Oscar

 

 

Es ist die älteste und schönste Moschee in Damaskus.

September: Israa

 

 

Ich bin im Libanon geboren. Qasar al Ahlam war ein touristisches Gebiet.

August: Mohammed/Jamal

 

Mohammed:Mein Vater und ich sind oft traurig, weil meine Mutter und Schwestern in der Türkei sind.

Juli: Javad

 

Javad: Ich bin alleine nach Deutschland gekommen. In meiner Wohngruppe fühle ich mich sehr wohl.

Juni: Javad / Israa

 

Israa: Ich bin erst zwei Monate in Deutschland und habe schon Freunde gefunden.

Mai: Noor

 

Deutsch ist schwer, aber ich verstehe schon sehr viel.

 

Ich arbeite bei der Fahrradwerkstatt mit.

April: Amir

 

In der Ukraine war ich Videoblogger.

Deutschland ist sehr schön.

März: AOBEIDA

 

Meine Mutter ist in Syrien und mein Vater wurde ermordet.
Ich wohne bei meiner Schwester.

Hallo, mein Name ist Oscar.

 

Ich komme aus einem Land in dem ein Viertel der Menschen in Gefangenschaft lebt.

Ein Viertel ist auf der Flucht.

Ein Viertel ist tot und ein Viertel wartet und hofft.

 

Die Stadt aus der ich komme heißt Damaskus.

Damaskus ist die Hauptstadt von Syrien. Ich habe meine Kindheit in Damaskus verbracht.

Ich trank das Wasser und aß das Essen Syriens.

Ich spielte im Sand am Meer und schrieb dort meinen Namen.

Ich malte meine Träume.

 

Jetzt bin ich 15 Jahre alt und hätte nie gedacht, dass ich meine Kindheit umgeben von Krieg verbringe.

Ich fürchte, dass selbst wenn der Krieg vorbei ist, in meinem Herzen der Schmerz und die Angst weiter besteht. Mein Herz ist traurig wegen der vielen Toten und den vielen Erinnerungen.

Das ist die Geschichte von meinem traurigen Land.

 

Meine Schule in Syrien war schön und ich habe es geliebt dorthin zu gehen. Ich habe die achte Klasse besucht und dann musste ich die Schule abbrechen, weil sich meine Familie dazu entschieden hatte Syrien zu verlassen und Asyl zu beantragen. Ich habe mir das nicht vorstellen können. Ich wollte hier bleiben, bei meiner Familie, meinen Nachbarn, meinen Freunden und meinen Erinnerungen. Aber das ist die Beste für meine Zukunft. Wir haben im Fernsehen gesehen, dass der Krieg nicht enden wird und es gab für meine Familie keine andere Lösung als zu fliehen.

 

Im Oktober 2015 reise ich mit dem Flugzeug in den Irak und mit einem anderen Flugzeug nach Istanbul. Ein Weiteres brachte uns nach Izmir in der Türkei. Meine Familie vereinbarte mit dem Mann, dass er mich und meine Familie von Izmir nach Griechenland mit dem Boot bringen würde. Er sagte uns, dass das Wetter heute gut ist und dass wir um 16:00 Uhr losfahren würden. Um 15:00 Uhr brachte er mir und meiner Familie Kleidung zum Überleben. Um 16:00 Uhr kam er mit einem großen Lastwagen. Im Lastwagen waren viele Menschen. Wir wussten nicht was mit uns passierte. Er sagte: Alle müssen auf den Lastwagen! Wir fahren zum Meer. Wir waren um 18:00 Uhr am Meer. Es war ein schwieriger Weg im Lastwagen. Dann war das Boot vor uns. Das Boot war klein und hatte die Farbe schwarz.

Ich hatte Angst weil des kalt war und waren viele Wolken am Himmel. Der Mann sagte, dass wir heute fahren müssten. In dem Boot waren 50 Menschen und wir stiegen auch mit ein. Nach 30 Minuten ging es los.

 

Das Meer war sehr gefährlich. Jeder fürchtete sich vor den Wellen und die Kinder weinten.

Wir waren 3 Stunden auf dem Meer. Es waren schlimme Stunden für uns.

Um 23:00 Uhr waren wir auf der Insel Kos in Griechenland. Wir waren nass und froh, weil wir dachten dass wir auf der Fahrt sterben würden.

Nach der Bootsfahrt gingen wir in die Berge und Wälder. Wir folgten einem schweren Weg. Nach 10 Tagen Qual kamen wir in Deutschland an.

 

Gerade angekommen meldeten wir uns bei der Polizei und das Asylverfahren wurde eingeleitet. Danach waren wir für 4 Tage im Camp Zirndorf mit vielen Menschen. Danach brachten sie mich und meine Familie zum Camp in Schweinfurt. Das Camp war überfüllt und es hatte keine Zimmer. Wir schliefen alle zusammen in einem großen Raum.

 

Nach 6 Tagen brachten sie uns zum Camp in Neumarkt. Wir wohnten dort 2 Monate.

Jetzt wohnen wir in einem Haus in Sengenthal mit anderen Personen.

 

Das Beste ist, dass ich jetzt wieder in die Schule gehen und dort lernen kann.

Mein Traum ist es, eine Zukunft zu haben in der ich mit meiner Familie glücklich sein kann.

Ich möchte später Polizistin werden und in Deutschland leben.

 

Als Letztes möchte ich aber sagen, dass Syrien mein Land ist und ich werde mein Heimatland niemals vergessen.

Isra, ein Syrisches Mädchen, das seit Kurzem in Neumarkt lebt und jetzt erst wieder mit ihrer Familie zusammen sein kann, zeichnet ständig.

 

Hier eines ihrer Bilder.

(6. Februar 2017)

Februar: Hafiza /Jamal

 

Hafiza: Im kleinen Fluchtboot hatte ich stundenlang Todesangst.


Jamal: Eine Bombe verletzte mich an den Schultern. Mein Bruder starb 2014 durch eine Bombe.
 

Flüchtlingshilfe Neumarkt Januar - SALLY: Meine Cousine arbeitet in diesem Museum. Ich hoffe, dass ich sie wiedersehe.

Mein Name ist Cheick (von der Redaktion geändert), ich bin 23 Jahre alt, und ich bin Flüchtling aus dem Senegal.

 

Senegal gilt zwar als sogenanntes „Sicheres Herkunftsland“, aber ich möchte Euch erzählen, warum ich dennoch meine Heimat verlassen habe.

 

In Wikipedia ist über Senegal u. a. zu lesen: „Die durch die Kolonialzeit bedingte Abhängigkeit von wenigen Exportgütern wie Erdnüssen, Phosphaten und Fisch, rasches Bevölkerungswachstum und Staatsverschuldung führten ab den 1980er Jahren jedoch zu Verarmung und wachsenden sozialen Spannungen, zu denen seit 1982 auch die Sezessionsbestrebungen in der Casamance kommen. Somit wurde der Senegal abhängig von Krediten der Industrie- und Erdölländer sowie von Entwicklungshilfe.“

Es ist in der Tat äusserst schwierig, im Senegal Arbeit zu finden. Mein Vater hat den Senegal verlassen, um in Europa Arbeit zu finden, als ich noch ein kleiner Junge war. Er hat in Italien Arbeit gefunden und 20 Jahre lang hat er Monat für Monat Geld an seine Familie in Kaolack/Senegal geschickt.

Ausser diesem Geld hatten wir keine Einkünfte.

 

Mein Vater hat dieses Geld stets an den „Chef“ der Familie geschickt – an seinen Vater, meinen Grossvater. Und mein Grossvater gab meiner Mutter dann Geld, um das Nötige einzukaufen, um uns zu ernähren. Wir – das heisst: die ganze Familie. Und in Afrika ist eine Familie gross: Eine Afrikanische Familie hat viele Brüder und Schwestern. Und eine Familie hört nicht auf bei Vater und Mutter mit ihren Söhnen und Töchtern – eine Afrikanische Familie beinhaltet alle Onkel und Tanten, sowie alle Neffen und alle Nichten. Und da die Polygamie bei uns üblich ist, vergrössert sich eine Familie noch viel mehr.

20 Jahre lang hatte ich also keinen Vater zuhause.

Altersbedingt ist mein Vater 2009 mit 60 Jahren nach Kaolak zurückgekehrt, und die Familie bekam kein Geld mehr!

 

Ich bin 1992 in Kaolack, Senegal geboren, und ich habe in meiner grossen Familie bis zum Alter von 17 Jahren gelebt. Ich war ein guter Schüler. Aber ich habe die Schule verlassen, weil ich in meiner Familie keine Unterstützung hatte und kein Verständnis für meinen Wunsch, weiterzumachen: Es war kein Geld da.

Ausser Essen und Unterkunft gab es nichts. Stellt Euch vor: Ihr habt keinerlei Geld von Euren Eltern oder der Familie! Nur „Bed and breakfast“.

Mit welchen Schuhen geht Ihr zur Schule? Mit welchen Klamotten ? Wie verbringt Ihr Eure Zeit den Tag über? Keine Bücher, kein Fernsehen, kein Kino usw. usw.

 

Ich verstand, dass ich so keine Möglichkeit hatte, mein eigenes Leben zu gestalten, ich hatte keine Zukunft, wenn ich nicht aus dem Teufelskreis rauskomme. 2009 bin ich nach Ziguinchor gegangen, ganz im Süden Senegals. Ein Kumpel hat mich in seinem LKW dahin mitgenommen. Dort habe ich als Beifahrer auf LKW gearbeitet, die Erdnüsse transportierten, und ich habe ca. 2 Euros pro Tag verdient.

Aber das war auch nicht die Lösung, die mir gestattet hätte, eine Familie zu gründen, und ich habe beschlossen, den Senegal zu verlassen. Mit meinen 80 Euro in der Tasche konnte ich nicht weit weg, und ich bin ins Nachbarland, nach Mauretanien. Um dort offiziell einzureisen hätte ich Geld gebraucht für die entsprechenden Papiere, wie Pass etc.

 

Also bin ich 2013 illegal über die Grenze. Mit seinem Erdnuss-LKW brachte er mich bis wenige Kilometer vor die Grenze Senegal/Mauretanien. Dort ist ein See, den ich mit einer Piroge überquert habe. Danach bin ich mit einer Art Taxi nach  – Nouakchott , wo ich als Maurer arbeiten und habe immerhin 3,50 € am Tag verdienen konnte. Aber das Leben als Illegaler ist nicht nur riskant, sondern auch teurer. Ich bin also nicht wirklich weiter gekommen, und nach 6 Monaten wollte ich Mauretanien verlassen. In Nouakchott waren wir viele Senegalesen, und wir hatten alle die Idee, Arbeit  in Europa zu finden.

 

Der Afrikanische Sänger „Tiken Jah Fakoly“ singt „Europa ist nicht das Paradis, aber auch nicht die Hölle“. UND : Ich wollte der Hölle entrinnen !

 

Ich habe Euch  von meinem Leben im Senegal erzählt, von meiner persönlichen Sicht der Situation dort. Aber jetzt möchte ich Euch ein paar Zahlen einer neutralen Stelle geben, der UN. Die UN führt ein rating aller Länder mit einer Kennzahl durch, die nicht nur das Sozialprodukt, sondern auch die Entwicklungsmöglichkeiten eines Volkes zeigt: die Lebenserwartung und die Bildungsdauer – den HDI, den Human Development Index. Deutschland liegt weltweit an Platz 6, Senegal an Platz 163 von 187 (Niger). Die letzten 40 Plätze sind leider meist von Afrikanischen Staaten besetzt!

2013 fand ich einen LKW-Fahrer, de mich von Mauretanien quer durch Westsahara bis zur Grenza zu Marokko fuhr. Das hat mich 70 Euro gekostet, der Wert von 20 meiner Arbeitstage.

 

Zwischen Westsahara und Marokko gibt es ein paar km Niemandsland. Hier – eingeklemmt zwischen zwei Ländern – lebten viele Flüchtlinge bereits sein Wochen und Monaten: Illegale ohne Geld oft ohne Trinken und ohne Essen. Ich habe mich ein paar Tage versteckt und habe dann, da ich noch Geld hatte, einen Schleuser gefunden, der mich nach Agadir in Marokko mit seinem LKW gebracht hat. Kosten: 100 Euros oder ca. 1 Monat Arbeit. In Agadir habe ich eine Fahrkarte für den öffentlichen Bus gelöst und bin nach Tanger gefahren - wieder 80 Euros ! Tanger: Spanien, Europa war endlich gegenüber sichtbar ! In Tanger habe ich erneut als Maurer gearbeitet für immerhin 150 € im Monat. Man ist immer auf dem Sprung, weil die Polizei jeden Moment kontrollieren kommen kann. Ich habe – wie alle Flüchtlinge – im Freien geschlafen, versteckt in den Wäldern. Es ist nicht leicht, von Tanger nach Spanien zu kommen, und ich habe fast ein Jahr dazu gebraucht! Die Küsten sind sehr stark überwacht, die Grenzschützer kontrollieren 24 Stunden. Das Spanische Rote Kreuz, das die Neuankömmlinge versorgt hat nur von 6 – 22 Uhr auf.

 

Die Überfahrt macht man mit „Zodiacs“, nachts und natürlich ohne Beleuchtung. Das sind kleine Schlauchboote, die nicht auf den Radarschirmen der grossen Hochseeschiffe erscheinen und welche die Flüchtlinge nicht sehen. Manchmal sind sie mit Motor ausgestattet. Die Wellen, welche diese Schiffe machen sind extrem gefählich für die Zodiacs. Und die Meereswellen sind sehr hoch und ebenfalls sehr gefährlich.

 

Ich weiss nicht, wie oft ich es versucht habe zu fliehen. Und jedes Mal musste ich erneut einen Schleuser bezahlen. Alles in allem habe ich wohl an die 1.000 Euros bezahlt. Und dabei habe ich weniger als die anderen bezahlt, da ich eine Piroge – zusammen mit dem „Kapitän“ steuern konnte.

Mehrere Male wurde ich von der Polizei gefasst, ins Gefängnis gesteckt und nach einer gewissen Zeit wieder freigelassen und an die Grenze zu Algerien gebracht. Wenn sie gewusst hätten, dass ich Senegalese bin, hätten sie mich zurück in den Senegal gebracht. Um so etwas zu verhindern, haben Flüchtlinge keine Papiere bei sich.

Einmal haben sie mich derart verprügelt, dass ich eine Woche brauchte, um mich wieder zu berappeln – ich war überall blau und krank.

 

In einer Nacht im Jahr 2014 hat es endlich geklappt – wir waren zu siebt im Zodiac – ohne Motor. Wir kamen gegen vier oder fünf Uhr an einem Spanischen Strand nahe Tarifa an.

Endlich Europa! Ich habe eine unendliche Freude empfunden, und alle Schmerzen der Wochen davor waren vergessen. Aber mein Ziel war dennoch nicht Spanien, sondern Deutschland. Ich wollte daher auch nicht in Spanien in die Europäischen Flüchtlingsakten eingetragen werden. Ich versteckte mich, aber sie haben mich entdeckt und gezwungen, meine Fingerabdrücke elektronisch zu hinterlassen. Das Rote Kreuz hat uns Kleidung und erste medizinische Versorgung gegeben. Wir wurden in die Erstaufnahmestelle von Tarifa gesteckt.

Nach zwei  Monaten habe ich Tarifa verlassen, um meinen Weg nach Deutschland fortzusetzen, und ich habe einen Schleuser genommen, der mich zwei Kilometer vor der Französischen Grenze abgesetzt hat. In der folgenden Nacht habe ich die Grenze zu Fuss überquert. Dann habe ich einen Öffentlichen Bus nach Nizza genommen und bin dann von dort aus per Bahn nach Ventimiglia, Italien gefahren. Von Ventimiglia bin ich per Bahn nach Bergamo, wo ich einige Zeit bei dem Onkel eines Flüchtlingskameraden sein konnte.

Stellt Euch meine Angst während der ganzen durch Frankreich- und Italien-Reise vor: Ich hätte im Zug von der Polizei entdeckt werden können, aber ich hatte Glück!

In Bergamo verdiente ich mein Geld als Strassenhändler und verkaufte Feuerzeuge und dergl.  Im Ganzen war ich vier Monate dort. Schliesslich nahm ich den Zug nach Deutschland, in dem mich die Deutsche Grenzpolizei Ende Mai 2015 gefunden hat.

Zuerst war ich in München in einem Erstaufnahmelager, und Anfang Juli kam ich in die Flüchtlingsunterkunft in Seligenporten.

Die Flüchtlinge sind in ihren Unterkünften im allgemeinen froh, dort angekommen zu sein, sie fühlen sich in Sicherheit, fühlen sich in Ruhe und fühlen sich besser. Aber es ist eine Herausforderung, sich in einem Zimmer mit anderen zu befinden, nichts zu tun zu haben, keine Arbeit und gegen die Monotonie anzukämpfen. Und zu wissen, dass man nichts unternehmen kann, dass es Andere sind, welche die wichtige Entscheidung darüber treffen, wie der Rest Deines Lebens weitergeht!

 

Oft sind meine Gedanken bei meinen kleinen Brüdern und Schwestern – haben sie zu essen? Haben sie eine Zukunft?

 

Anfang September habe ich meinen Abschiebungsbescheid erhalten, weil nach dem «Dublinverfahren» Spanien für die Durchführung meines Asylgesuchs zuständig ist.

Jetzt bin ich in meinem Zimmer und warte darauf, dass die Grenzpolizisten kommen, um mich an den Flughafen mitzunehmen, wo mich  ein Flugzeug nach Spanien entführt.

 

Möglicherweise war mein Bericht hier und heute für Euch eine meiner letzten Taten hier. Ich finde es auf jeden Fall eine gute Sache, dass ich Euch von meiner Geschichte als Flüchtling erzählen konnte – und ich danke Euch!

 

Diesen Bericht hat Cheick der Flüchtlingshilfe Neumarkt im Oktober 2015 erzählt, und er hat ihn auch vor einer Projektklasse 9c des WGG selbst vorgetragen. Im November 2015 wurde er eines Morgens von der Grenzpolizei aus dem Bett geholt, zum Flugahfen gebracht und zurück nach Spanien abgeschoben.

vorher hat er die Flüchtlingshilfe Neumarkt autorisiert, seinen Bericht zu veröffentlichen.

Inge Kraus von der Flüchtlingshilfe Neumarkt hatte sich vor einiger Zeit des jungen Syrers Ehsan angenommen und ihn hier in Neumarkt betreut, bis er nach seiner Anerkennung zu seinem Cousin nach Aachen zog.

 

Untenstehendes Interview (in dem er Inge als seine deutsche Mutter bezeichnet) hat er dort Günther Krier, Redakteur bei „WABe e.V.“, gegeben, das wir dankenswerter Weise hier wiedergeben dürfen.
(22. Oktober 2016)

Ehsan, du lebst seit Anfang Februar 2016 in unserer alten Kaiserstadt im Dreiländereck. Bestehen eigentlich große Unterschiede zwischen deiner Heimatstadt Damaskus und Aachen?
Mentalitätsunterschiede gibt’s schon. Doch die Städte unterscheiden sich nicht so sehr: Beide haben eine weit zurückreichende Geschichte und sind schön. Auch das Klima in Damaskus ist nicht anders als in Aachen.

 

Beschreib uns mal dein Leben in Syrien vor und während des Krieges.
Bis 2011 hatte ich ein glückliches Leben. Neben meinem BWL-Studium an der Universität in Damaskus arbeitete ich mehrere Jahre als Verkaufsleiter in einer Handy-Firma und konnte mit dem dort verdienten Geld meine Mutter und meine Geschwister unterstützen. Ich hatte ein eigenes Auto und viele Freunde, mit denen ich gerne Karten spielte und schwimmen ging. Alles war in bester Ordnung. 2011 fielen dann die ersten Bomben auf Damaskus. Diese zerstörten viele Häuser in unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Ja, sogar unsere eigene Wohnung wurde zerstört! Zum Glück war niemand von uns zu Hause, als das geschah. Wir mussten dann in eine andere Wohnung ziehen, aber es änderte sich nichts: Ständig lebten wir in Angst um unser Leben. Es war furchtbar! 2015 haben mein älterer Bruder und ich es nicht mehr länger ausgehalten und uns zur Flucht entschieden. Einfach weg!

 

Magst du uns erzählen, was ihr auf der Flucht erlebt habt?
Wir fuhren mit einem Auto in den Libanon. Nach einer Nacht in einem Beiruter Hotel flogen wir in die Türkei: erst nach Istanbul und weiter mit einem anderen Flugzeug nach Izmir. Dort stiegen wir in ein Schlauchboot, um nach Griechenland zu gelangen.

 

Wir alle kennen die Bilder von überfüllten, seeuntüchtigen Booten, in denen Menschen auf der Flucht unter Einsatz ihres nackten Lebens das Mittelmeer durchqueren. Ehsan, wie habt ihr als Betroffene das erlebt?
Wir saßen mit 38 anderen Menschen, eng aneinander gepfercht, in diesem nur neun Meter langen Schlauchboot und fuhren auf das offene Meer hinaus. Anfangs war die See ruhig, aber dann brachten hohe Wellen unser Boot fast zum Kentern. Wir alle hatten Todesangst. Kleine Kinder und Frauen schrien und weinten. Und ich betete. Wir waren der Urgewalt des Meeres hilflos ausgeliefert. Doch nach drei Stunden erreichten wir schließlich körperlich unbeschadet die griechische Insel Lesbos.

 

Wie wurdet ihr in Griechenland aufgenommen?
Sehr gut. In einem Flüchtlingscamp teilten wir mit 18 anderen Menschen unterschiedlicher Nationalitäten einen Raum. Nach fünf Tagen bekamen wir einen Aufnahmezettel und konnten für 50 Euro mit einem Schiff nach Athen fahren.

 

Und wie ging es dann weiter?
Nach nur zwei oder drei Tagen fuhren wir mit einem Zug von Athen nach Mazedonien. Dort habe ich meinen Bruder in der Menschenmenge verloren. 15 Tage ging ich zu Fuß bis nach Serbien, und weiter nach Ungarn, wo mich die Polizei an der rumänischen Grenze 20 Tage lang in ein Gefängnis steckte. Die Behandlung war sehr schlecht. Zurück in Serbien, verbrachte ich wieder fünf Tage in Gefangenschaft. Mit 29 anderen Menschen musste ich eine Zelle teilen und auf dem nackten Boden schlafen. Die Versorgung war fürchterlich. Und es gab kaum Sauerstoff zum Atmen. Danach ging ich zu Fuß nach Ungarn zurück und fuhr mit einem Taxi nach Österreich. Für eine Nacht nahm ich mir ein Zimmer in Wien und stieg am nächsten Tag in einen Zug nach Deutschland. Ich wollte nach Saarbrücken fahren, weil mein Bruder mittlerweile dort war, wie ich von ihm per Handy erfahren hatte. Im Zug griff mich die Bundespolizei auf. Da die ungarische Polizei mir den Ausweis abgenommen hatte, konnte ich mich nicht ausweisen und musste in Passau aussteigen. Glücklicherweise hatte ich aber ein Foto von meinem Ausweis in meinem Handy abgespeichert. Einen Monat verbrachte ich in einem Münchener Flüchtlingslager. Anschließend wartete ich vier Monate lang in Nürnberg auf meine Bleibeberechtigung.

 

Wie war das für dich, deutschen Boden zu betreten? Und was hat dich deine Flucht von Syrien nach Deutschland gekostet?
Ich war unendlich erleichtert und happy, als ich deutschen Boden betrat. Endlich frei! Gekostet hat es mich neben all den Strapazen und Gefahren 7.000 Euro. Der Preis für ein Leben in Freiheit!

 

Warst du in Deutschland schon mal Fremdenhass ausgesetzt?
Nein, im Gegenteil: Alle waren hier in Deutschland von Anfang an sehr nett zu mir. Auf einem Fest für geflüchtete Menschen lernte ich Inge K. aus Neumarkt der Oberpfalz kennen. Die war für mich wie eine Mutter, half mir bei so vielen Dingen. Als ich dann endlich meine Bleibeberechtigung bekam, entschloss ich mich, nach Aachen zu ziehen, weil hier schon länger ein Cousin von mir lebt. Dieser hat mir auch sehr geholfen, zum Beispiel bei Behördengängen. Auch konnte ich eine Wohnung direkt neben seiner beziehen.

 

Wie sieht heute dein Alltag in Aachen aus? Und was bringt dir die Beschäftigung bei der WABe?
Seit April besuche ich während der Woche täglich vier Stunden den Deutschunterricht an einer Sprachschule, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Bereits vorher hatte ich mir in Eigeninitiative mittels Internet erste Sprachkenntnisse angeeignet. Im Herbst werde ich meine Deutschprüfung ablegen. Und seit Mai arbeite ich täglich drei Stunden im Aachener Sozialkaufhaus der WABe im Verkauf. Dort werde ich von mehreren Mitarbeitern gut unterstützt. Unter anderem von Rachid Zaghloul, einem der unterstützenden Integrationsanleiter. Eins möchte ich betonen: Soziale Kontakte zu knüpfen, ist mir bei alldem wichtiger als Geld. Schon so viele neue Freunde habe ich gefunden, und diese Freundschaften kann man nicht mit Geld bezahlen. Nebenher engagiere ich mich unentgeltlich bei der Aachener Tafel.

 

Was hat dich denn inspiriert, bei der Aachener Tafel unentgeltlich zu arbeiten?
Die tolle Hilfsbereitschaft, die ich von Anfang an in Deutschland erfahren habe. Ich bin so dankbar dafür, und deshalb wollte ich auch helfen. Vier Tage nach meiner Ankunft in Aachen, am 4. Februar, bin ich dort hingegangen, um meine Mitarbeit anzubieten. Anfangs habe ich dort regelmäßig mit angepackt. Jetzt geht das mangels Zeit aber leider nur noch einmal pro Woche.

 

Wie stellst du dir deine berufliche Zukunft vor?
Ich möchte gerne einen guten Job finden, zum Beispiel in einer Bank. Auch möchte ich sehr gerne weiter studieren. Gute Ratschläge erhalte ich dabei von Herrn Röder (Projektkoordinator bei der WABe).

 

Eine abschließende Frage, lieber Ehsan: Möchtest du in Deutschland bleiben?
Deutschland ist ein tolles Land mit vielen herzensguten Menschen. Aber Syrien ist meine Heimat – meine Liebe! Dort sind meine familiären Wurzeln. Ich möchte betonen, dass es mit großen Schmerzen verbunden war, Damaskus zu verlassen. Und wenn die Lage in Syrien sich eines Tages stabilisiert hat, könnte ich mir vorstellen, wieder dort zu leben.

Der Erzähler dieses Berichts ist der Flüchtlingshilfe Neumarkt persönlich bekannt, er möchte jedoch seinen Namen an dieser Stelle nicht nennen. Er hat uns seine Geschichte in bestem Englisch erzählt, und wir haben sie dann ins deutsche übersetzt (und die Übersetzung dann gleich auch als "Unterrichtsstoff" mit ihm verwendet).
(15. Oktober 2016)

Im Dezember 2015 bin ich nach Deutschland gekommen, und ich lebe jetzt in der Flüchtlingsunterkunft in Seligenporten - 15 km von Neumarkt.

Ich bin 1986 in Aleppo geboren,
meine Mutter war Hausfrau, mein Vater war Fahrer von allen Arten von Fahrzeugen wie Auto, Lastwagen und Bulldozer.

Wir waren 8 Kinder – ich habe 5 Schwestern und 2 Brüder. 8 oder 10 Kinder in einer Familie waren normal in Syrien, heute hat man  weniger Kinder.

Meine Eltern waren nicht reich, aber wir lebten alle in unserem Haus mit 130 qm. Das Meiste vom Haus war von meinen Eltern selbst gebaut – sogar der Grund auf dem das Haus gebaut war, war von meinem Vater selbst ausgegraben.

Syrische Häuser sind meist völlig aus Stein – wir verwenden keine hölzernen Teile wie man sie hier findet.

 

Aleppo ist circa 7 000 Jahre alt – es ist eine der ältesten Städte in der Welt, und es gibt (oder gab) unzählige Sehenswürdigkeiten.

Mit seinen circa 2 000 000 Einwohnern ist es 40-mal größer als Neumarkt.

Wir haben nicht im Centrum der Stadt gelebt, aber am Stadtrand.

Wir hatten alle eine glückliche Kindheit. Wir waren nicht reich, wir lebten nicht in Luxus, alles war einfach und solide – und wir lebten in Harmonie.

Traum eines Syrischen Flüchtlings Mein Traum

Als Kind hatte ich einen Traum - den Traum aller Syrischen Kinder:

 

Das ist das Bild unseres Lebens:

 

Berge, grüne Wiesen, gelbe Sonne, blauer Fluss, blühende Bäume und ein friedliches Haus.

 

Jetzt möchte ich über meine schulische Laufbahn sprechen. Das Syrische Schulsystem sieht aus wie das deutsche System, aber es ist nicht (zumindest mittlerweile nicht mehr) die gleiche Qualität, und deswegen denke ich, dass unsere Zeugnisse nicht – oder nicht alle – in Deutschland akzeptiert werden.

Ich habe diese schulischen Schritte durchlaufen:

Grundschule 6 Jahre, Oberschule 6 Jahre und dann Hotelfachschule 2 Jahre - mit den Fächern Küche, Haushalt, Empfang, Bedienung, Restaurant und Hotelmanagement.

Und dann habe ich in einem Restaurant in Aleppo 9 Monate lang zu arbeiten begonnen, bevor ich zum Militärdienst musste.

 

Der Militärdienst ist Pflicht, aber er ist Zeitverschwendung. Dank meiner Ausbildung konnte ich bereits auf einer bestimmten Stufe beginnen, und ich musste keine niedrigen Arbeiten ausführen. Aber dennoch gab es nichts zu lernen für mein zukünftiges Leben. Wir wurden behandelt wie Tiere. Gewalt, Erniedrigung, Verachtung, Alkohol und Drogen, sowie Korruption waren an der Tagesordnung.

 

Nach langen, sehr langen, 21 Monaten konnte ich schließlich zurück in meinen Beruf, und ich habe ein Jahr lang in einem Restaurant gearbeitet. Die ganze Zeit habe ich bei meiner Familie gelebt, was in unserm Land normal ist. In unserer Kultur verlässt man seine Familie nicht, bevor man verheiratet ist und man sein eigenes Haus hat. Weil der Verdienst in den Restaurants nicht hoch war, war es schwierig an mein eigenes Haus zu denken.

 

Aber eines Tages hörte mein Vater von einer Chance für mich bei einer großen, internationalen Gesellschaft in Dubai zu arbeiten, und so besorgte ich ein Visum und verließ mein Land 2010.

Natürlich hatte ich die Absicht, in ein paar Jahren nach Aleppo zurück zukommen und eine Familie zu gründen und mein Haus auf einer grünen Wiese nahe einem blauen Fluss, umgeben von blühenden Bäumen, zu bauen.

 

Ich habe in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Bereich „Gourmet Food“  begonnen, circa 2 Jahre später bin ich zum Supervisor aufgestiegen und wieder 2 Jahre später war ich Bereichsleiter.

So konnte ich hart arbeiten und Geld verdienen.

Nur ein einziges Mal konnte ich in meinem Urlaub für kurze Zeit zurück nach Aleppo, meine Familie besuchen, und ich konnte auch ein kleines Haus kaufen, bevor ich zurück in die Vereinigten Arabischen Emiraten ging.

 

Aber als mein Vertrag zu Ende war, bekam ich kein Visum mehr, und ich musste die Emirate verlassen.

Alle meine Versuche  in 4 Monaten eine andere Arbeit in den Emiraten zu finden waren vergeblich.

Aber wohin gehen?

Ich konnte nicht zurück nach Syrien, nicht zu meinem Haus und nicht zu meiner Familie, weil in der Zwischenzeit der schreckliche Krieg voll ausgebrochen war und meine Familie zu Flüchtlingen in Syrien geworden war.

In den andern Nachbarländern von Syrien und den Emiraten braucht man ein Visum oder man findet dort unmenschliche Bedingungen. Um zu zeigen was ich meine, gebe ich nur das Beispiel von den Syrischen Mädchen und Frauen, die zu Sexsklavinnen im Libanon gezwungen wurden, wie ihr sicherlich in der Zeitung oder im Fernsehen gesehen habt.

 

So beschloss ich in die Türkei zugehen, wo ich einen Freund habe.

Ich kaufte ein Ticket für die Türkei und als ich am Flughafen eincheckte, war ich gezwungen, ein Ticket nicht nur in die Türkei, sondern auch zurück in ein anderes Land zukaufen! Der Grund dafür war, dass ich damit auf meine eigenen Kosten aus der Türkei ausgewiesen werden konnte. So musste ich circa 200 $ für einen Flug bezahlen, den ich nie genommen habe.

In der Türkei versuchte ich erneut einen Job zu finden aber erneut: vergeblich.

Es war mir erlaubt in der Türkei zu sein, aber ohne Pass war es nicht wirklich ein legales Leben.

 

Als sich die Möglichkeit bot, zahlte ich einem Schleuser 800 $, um die Türkei in einem Gummiboot Richtung Griechenland zu verlassen.

Am 20. Dezember 2015 wurde ich frühmorgens von einem Auto abgeholt und zu einem geheimen Platz gebracht und dann zu der Bucht, wo unser Boot lag. Unser Boot war eines von den Gummibooten, die maximal für 15 Leute gemacht sind. Aber die Schleuser packten 45 bis 50 Flüchtlinge hinein, auch viele Kinder. Ich fragte mich, was geschehen würde, wenn jemand in Panik geriete. Und wir mussten unsere Boote selbst aufpumpen.

Das Boot hatte vier Ventile und am Ende bemerkte ich, dass an einem Ventil Luft entwich. Ich teilte meine Beobachtung den anderen mit, aber sie bevorzugten, diese Feststellung zu ignorieren.

Die kleinen Motoren dieser Boote sind auf einmaligen Gebrauch ausgerichtet, und sie sind von niedriger Qualität.

Die wenigsten von uns hatten schwimmen gelernt, und natürlich hatte ich von hunderten gehört, die ertrunken sind. Ich sah sogar einen Vater, der seine Frau und seine Kinder mit einem Seil an sich band.

Unser Bootsführer war kein erfahrener und großzügig bezahlter Kapitän – nein, es war einer von uns, der nie zuvor ein Boot gesteuert hatte, und natürlich hatte er auch keinerlei Erfahrung.

 

Selbstverständlich hatte ich – hatten wir alle – Angst zu sterben, aber dennoch stiegen wir alle ins Boot - wir hatten keine andere Wahl. Wir folgten nur der Hoffnung ohne zu viel zu denken, und so starteten wir um 7 Uhr morgens Richtung Griechenland.

 

Leider verlor ich meine Tasche mit all meinem Hab und Gut und mit meinen Dokumenten, als ich einer Frau mit Kindern half. So blieb mir nur die Kleidung, die ich an mir hatte. Da alle Flüchtlinge auch immer eine wasserdichte Plastiktasche mit ihrem Telefon, ihrem Ausweis und mit Geld bei sich am Körper tragen, blieb mir wenigstens auch dies.

 

Wir hatten Glück: erst es war neblig, aber nach 20 Minuten konnten wir Griechenland sehen und 1:30 Stunden später landeten wir – um 8:30 Uhr - auf der Insel Mytilini.

Freiwillige Helfer verschiedener Nationalitäten halfen uns vom Boot, gaben uns zu trinken, zu essen und Kleidung und circa 45 Minuten später – es war ungefähr 11 Uhr morgens – wurden wir mit Pickups zuerst in ein kleines Lager gefahren. Dort waren Leute von der UN, freiwillige Helfer, Zelte und Heizung. Um 3:00 Uhr am Nachmittag nahm uns ein Bus zu einem Camp mit mehr als 1000 Leuten, ein offener Platz, umgeben von Zäunen. In der Nacht versuchten wir zu schlafen, aber es war vergeblich, weil wir draußen schliefen und es zu kalt war.

 

Am nächsten Morgen, den 21. Dezember 2015 von 7 bis 13 Uhr fand die Prozedur mit Fotografieren und Fingerabdrücken usw. statt, und am Ende bekamen wir eine Art von Pass. Dann konnten wir mit dem Taxi – 5 $ pro Person -  zur Küste fahren, um ein Schiff nach Athen zu buchen und einen Bus von Athen zur Mazedonischen Grenze. Wir legten um 8 Uhr abends ab und kamen um 8 Uhr morgens in Athen an.

Wir alle schliefen wie Steine, und als wir ankamen, war es warm und ruhig – wir erlebten endlich einen sehr guten Moment!

Der Weg von Athen zur Grenze von Mazedonien sollte 12 Stunden dauern, aber unterwegs ließ uns die Polizei ein Mal eine Stunde warten, und ein anderes Mal 15 Stunden, wegen der Warteschlange an der Grenze. So kamen wir erst am 22. Dezember um 8 Uhr morgens an. Dort waren Gleise, große Zelte und viele Flüchtlinge. Zuerst mussten wir auf einen Zug warten, aber später änderten sie ihre Meinung, und wir konnten per Taxi weiter nach Serbien – 25 € pro Person. Sie kontrollierten, ob die Anzahl der Ankommenden identisch war mit der Zahl der Abfahrenden.

 

In Serbien kontrollierten sie alle unsere Dokumente, und erneut mussten wir unsere Fingerabdrücke abgeben. Dann fuhren wir in einen der zahlreichen Busse nach Kroatien. Aber wir mussten 8 Stunden warten bis alle Busse, die auf Flüchtlinge warteten, voll waren und es sich rentierte zu starten. In der Wartezeit gab man uns zu trinken, zu essen und den Kindern zu spielen. Ich war sehr beeindruckt von einer 19 jährigen tschechischen freiwilligen Helferin. Sie gab uns Taschen, Schuhe und eine Menge hilfreicher Dinge, und ich fragte sie „warum kommst du von so weit her, und warum machst du all das?“. Sie sagte mir, dass sie sich für ihre Regierung schämte und ihr Verhalten nicht akzeptieren könne.

 

Endlich nahm uns der Bus in 40 Minuten zur Grenze nach Kroatien zu einem Bahnhof. Um weiter zu reisen, mussten wir in einen Waggon – 2 Reihen mit 4 Passagieren in einem Abteil und im Korridor so viel wie möglich. Es war eng und stickig, aber immerhin mehr oder weniger organisiert. Mitten in Kroatien hielten wir an, wir mussten den Zug verlassen, wir wurden erneut registriert, und dann mussten wir wieder zum Zug zurückgehen.  Dann begann der schlimmste Teil von dieser Reise. Sehr junge Polizisten behandelten uns wie Tiere oder wie Spielzeug. Im Abteil konnten wir keinen vernünftigen Platz finden, wir saßen und standen völlig durcheinander. Natürlich war an Schlaf überhaupt nicht zu denken!

In Slowenien angekommen, gingen wir zuerst 2 km zu einem Zelt, wo sie unser Gepäck kontrollierten, und dann gingen wir wieder 3 km zu den Bussen nach Österreich.

 

Angekommen in Österreich spürten wir Respekt, organsierte Abläufe und wir saßen in guten Bussen.

Es waren 8 Busse, abgesichert von zwei Polizeiautos mit Blaulicht. Der Busfahrer spielte schöne Lieder für uns. Ich erinnere mich z.B.  an das Lied „Hallo“ von Adele und „ Let it snow“ von Dean Martin.

Es war ein sonniger Tag – es war der 25. Dezember 2015. Wir erfreuten uns an der Natur von Österreich, den Bergen, den Gondeln und den traditionellen Häusern, die so waren, wie die Häuser in unseren Träumen.

Kurz vor der Deutschen Grenze hielten wir an, wir konnten uns genau 30 Minuten in einem Zelt aufhalten, wo man uns zu essen und zu trinken gab und wo wir eine Personennummer auf einem Armband bekamen. Eine junge Türkische Frau erklärte uns, dass Österreich keine Möglichkeiten mehr hat, weitere Flüchtlinge aufzunehmen - entweder wir gehen weiter nach Deutschland oder wir gehen zurück nach Slowenien. Wieder draußen, mussten wir auf Busse nach Deutschland warten. Glücklicherweise konnte ich einer Familie - oder einem Teil davon – helfen, in Österreich zu bleiben, wo der Rest dieser Familie bereits lebte. 1 Stunde später waren wir in Deutschland! Es war Abend, es war dunkel, wir konnten draußen nichts sehen.

 

Die Polizei fragte uns nach unserer Nationalität und Syrer konnten weiter. Einige Marokkaner und Algerier versuchten als Syrer durchzugehen, aber die deutsche Polizei entdeckte sie und schickte sie zurück.

Ich musste alle die Dokumente, die ich von den anderen Ländern bekommen hatte, aushändigen, und wir wurden von einem Bus zu 2 Erfassungszentren gebracht, wo sie zuerst unsere Pässe und unser Geld prüften, ein Foto machten, und wo wir uns für eine erste Untersuchung ausziehen mussten. Die gleiche Prozedur dann später noch einmal, aber detaillierter und in einem anderen Zelt mit professionalen Kameras, Computer usw. Danach fuhren wir mit einem Bus zu einem kleinen Zelt um zu schlafen.

 Am Morgen des 26. Dezembers gab man uns Papiere, und wir konnten zum nächsten Bahnhof gehen, um einen Zug nach Regensburg zu nehmen. Ich war in einer Gruppe von 5 Flüchtlingen, und man gab uns 3 Fahrkarten - 2 für 2 Personen und 1 für 1 Person. Als später bei der Bahnfahrt der Kontrolleur kam, stellte er fest, dass mein Name nicht auf dem Ticket gedruckt war, nur handschriftlich auf dem Fahrschein für 1 Person. Also sollte ich nachzahlen. Aber ich hatte keine Euros, nur Dollars! Schließlich durfte ich doch ohne zuzahlen weiter.

 

Am Nachmittag kamen wir in Regensburg in einem wirklich großen Lager an. Aber es war voll, und wir mussten bis zum Abend warten, bis ein riesiger Bus kam und uns nach Neumarkt brachte.

In Neumarkt, in der Eggenstraße, in der „Delphihalle“, lebte ich bis zum 29. Januar, dann kam ich nach Seligenporten, wo ich derzeit lebe - und noch immer auf positiven Entscheid meines Asylantrags warte und Deutsch lerne.

 

Nach meiner Anerkennung möchte ich hier Arbeit in der Gastronomie oder im Lebensmittelsektor finden auch meine eigene Wohnung haben.

Druckversion Druckversion | Sitemap
Flüchtlingshilfe Neumarkt