Flüchtlingshilfe Neumarkt
Flüchtlingshilfe Neumarkt

                   Erfahrungsberichte

Erfahrungsberichte von Helfern können an Flüchtlingshilfe Interessierten einen Einblick in die Mithilfemöglichkeiten gewähren, können auch vielleicht anderen Helfern hilfreich sein - und können evtl. auch ganz einfach nur "Unterhaltung" sein.

Pizza & Döner und der Zusammenhang zur Flüchtlingshilfe – eine interessante Betrachtung

 

Haben Sie schon mal eine Pizza gegessen?

Dass die allermeisten von Ihnen diese Frage mit „ja“ beantworten, ist wohl keine sehr gewagte Vermutung. Ähnlich dürfte es sich bei der Frage verhalten, ob Sie schon mal einen Döner verspeist haben.

 

Mal abgesehen von der individuellen Qualität der Zubereitung - haben Sie beim Genuss die-

ser Speisen Unbehagen verspürt, ein Gefühl von Fremdheit und Bedrohung? Dumme Frage, werden Sie sagen, Pizza und Döner kennt doch jeder, und sie gehören schon längst zum vertrauten (Ess-)Alltag.

 

Mir ist eine spannende Frage eingefallen, zu der es bisher offenbar noch keine repräsentative Umfrage gegeben hat: Wieviel Prozent der Pegida- oder AfD-Anhänger haben schon mal eine Pizza oder einen Döner gegessen? Nach dem Verständnis dieser Menschen wären Pizza und Döner eigentlich als „undeutsch“ und nicht in unsere Kultur passend abzulehnen.

 

Nun soll an dieser Stelle keinesfalls eine Pegida- oder AfD-Schelte betrieben werden. Die zum Teil völlig überraschenden Ergebnisse von Wahlen (Trump) oder Referenden (Brexit) haben u.a. ja auch gezeigt, dass man diese Wählergruppen (nicht nur zahlenmäßig, sondern auch inhaltlich) ernst nehmen muss und ihre ablehnende Haltung, ihre Ängste nicht pauschal oder arrogant abqualifizieren darf.

 

Doch zurück zur Ausgangsfrage. Wenn Sie genüsslich eine Pizza essen, tun Sie das in dem

Bewusstsein der Bekanntheit und Vertrautheit. Die Pizza ist eben schon längst bei uns bestens integriert, und genauso gilt das auch für den jeweiligen Italiener (oder Türken beim Döner), der die leckeren Speisen anbietet.

 

Wenn uns auf der Straße jedoch eine Gruppe von – oft erkennbar fremdländisch aussehenden – Menschen begegnet, dann haben wir stattdessen häufig andere Empfindungen: Unsicherheit, Misstrauen, vielleicht sogar Angst. Man kennt diese Menschen ja nicht, sie gehören zu einer für uns anonymen Gruppe von Flüchtlingen, und über die Flüchtlinge hört man ja immer wieder ….

 

Ich habe das Vergnügen, seit vielen Jahren in einer Hobbyfussball-Truppe mitzuspielen. Schon seit einiger Zeit war jedoch unser Spaß beeinträchtigt, weil wir oft zu wenige Teilnehmer hatten. Im Sommer letzten Jahres haben wir kurz entschlossen bei der Flüchtlingshilfe Neumarkt bzw. „Chancen statt Grenzen e.V.“ angefragt, ob nicht einige Asylbewerber Lust hätten, bei uns mitzuspielen.

 

Die Resonanz war enorm, und schon am nächsten Spieltag wurden wir durch 8 Syrer und Iraker verstärkt.

 

Bei uns deutschen Spielern war erstmal eine Portion Unsicherheit und Skepsis dabei, wie sich das wohl anfühlen wird. Unsere neuen Mitspieler haben durch ihre unkomplizierte Art die anfänglichen Bedenken schnell ausgeräumt. Aufgrund noch geringer Sprachkenntnisse lief die Verständigung anfangs viel mit Händen und Füßen (wobei ja Letztere beim Fussball ein sehr probates Mittel sind…).

 

Mittlerweile sind diese Menschen für uns nicht mehr anonym, sie haben Namen, Gesichter, Wesenszüge. Obai besucht eine Integrationsklasse an der Berufsschule und beherrscht inzwischen nach nur einem Jahr Aufenthalt in Deutschland die deutsche Sprache schon ausgezeichnet, ähnlich wie Abdullah und Mohammed. Letzterer macht auch bei einer Theatergruppe mit, wo er ganz automatisch die deutsche Sprache trainieren kann. Alaa ist unser Torwart, der die gegnerischen Stürmer regelmäßig an seiner unerschütterlichen Ruhe und Präsenz scheitern lässt.

 

Ahmad hingegen ist ein wahres Laufwunder, er hat beim letzten Neumarkter Firmenlauf bei rund 1.700 Teilnehmern den achten Platz geholt (obwohl er sich zwischendurch verlaufen hat!). Mit der deutschen Sprache hat er noch ziemliche Probleme, nicht jeder ist eben ein Sprachtalent. Allen gemeinsam ist, dass sie höfliche, liebenswerte Menschen sind, die sich bei uns mit sportlicher Fairness, Zuverlässigkeit und (!) deutscher Pünktlichkeit integriert haben. Wir möchten sie nicht mehr missen!

 

Warum ich Ihnen all das erzähle? Weil es ein Beispiel von vielen ist, wie aus anfänglicher Furcht und Skepsis stattdessen Vertrautheit und Beziehung entsteht. Für uns sind das inzwischen keine „Flüchtlinge“ mehr, sondern ganz normale Sportkameraden. So normal wie die Pizza nach dem Fussball …

 

Ach ja: Weil Ahmad aufgrund seiner Sprachprobleme im Alltag manchmal Schwierigkeiten hat, wenn z.B. ein behördliches Schreiben kommt, hat ein Spieler aus unserer Gruppe für ihn eine Patenschaft übernommen.

 

Und sollte tatsächlich ein Anhänger von Pegida oder AfD diese Zeilen lesen, der noch keine Pizza gegessen hat, lade ich ihn gerne dazu ein. Damit das Fremde nicht fremd bleibt.

 

 Roland Hadwiger   Redaktion Ansporn

Wir haben nach wie vor guten Kontakt zu einer Familie, die aus Damaskus stammt. Wir haben sie mal im Café der Kulturen kennengelernt. Wir empfinden sie inzwischen als Freunde und unternehmen ab und zu gemeinsam etwas am Wochenende.


Außerdem haben wir seit einiger Zeit Kontakt zu einer irakischen Familie, die etwas außerhalb von Neumarkt wohnt. Wir hatten - auf Grund eines Gesuchs von Chancen statt Grenzen - der Tochter Kleidung gebracht, aus der meine Mädels rausgewachsen waren. Meine ältere Tochter war dabei und hat sich auf Anhieb gut mit dem irakischen Mädchen verstanden, so dass die WhatsApp-Nummern ausgetauscht haben.

Seitdem haben wir auch ab und zu Kontakt mit der Mutter und den jüngeren Kindern. Mal waren wir gemeinsam in der Bücherei und am Buß- und Bettag haben wir sie zu einem typischen deutschen Frühstück zu uns eingeladen.

Wir treten da nicht als "Helfer" im eigentlichen Sinn auf, sondern wollen einfach nur als Familie von hier ein bisschen Kontakt zu den Menschen in Neumarkt ermöglichen. Ich denke, dass unsere Art von Austausch durchaus auch von den Flüchtlingen geschätzt wird.

Wir hatten bisher auch nicht den Eindruck, dass die Familie irgendetwas von uns erwartet.


Ich schildere das deshalb so ausführlich, weil ich denke, dass manche Neumarkter, die evtl. auch gerne ein bisschen unterstützen würden, meinen, sie müssten sehr viel Zeit investieren oder es würde von ihnen erwartet, dass sie ständig als Helfer in allen möglichen Lebenslagen in Anspruch genommen werden. Und deshalb sehen sie sich vielleicht nicht in Lage, sich zu engagieren. Ich möchte einfach mit unserem Beispiel zeigen, dass das auch anders möglich ist.


Viele Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit,
Andrea Rosebrock

(7. Dezember 2016)

Wir kümmern uns um eine junge Familie mit einem kleinen Kind aus Eritrea. Bisher haben wir sie begleitet

- zu Arztterminen - was bei einem Baby öfters der Fall ist wegen der Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen

- bei Behördengängen - z. B. geholfen, einen Übersetzer für tigrinisch aus Weiden zu organisieren, um eine Geburtsurkunde (u.a. war auch eine Vaterschaftserklärung nötig) für das Kind zu erhalten; Termine beim Arbeitsamt etc.

 

Wir halten mindestens einmal wöchentlich Kontakt zur Familie, lernen Deutsch miteinander und versuchen bei anfallenden Probleme mitzuhelfen.  Wir haben z.B. einen Krippenplatz gesucht, damit die junge Mama in die Berufsschule gehen kann.

 

Die Tätigkeit entwickelt sich nach und nach von selbst und macht neben mancher Anstrengung doch viel Spass

 

(Die Helferfamilie will nicht namentlich genannt werden, ist der Flüchtlingshilfe Neumarkt jedoch bekannt)
(9. Nov. 2016)

17. Juli 2016

 

„Toll, dass du das machst. Ich könnte das nicht!“ oder „Du traust dich was!“

 

Nach solchen Sätzen ist man einerseits irgendwie positiv gestimmt, andererseits fängt man auch an zu zweifeln. „Kann ich das wirklich? Menschen unterrichten, die vielleicht schlimme Dinge erlebt haben und die jetzt nach ihrer Flucht ganz bestimmt sofort Deutsch lernen wollen?“

Ja, ich kann. Seit Oktober 2015 unterrichte ich ehrenamtlich Flüchtlinge bei Netz-Asyl in Seligenporten.

Ich erinnere mich noch sehr gut an meinen ersten Abend, als ich auf meine Schüler gewartet habe. Die Türe geht auf, ein Mann aus der Ukraine kommt herein und setzt sich an den Tisch. Ein paar Minuten später geht die Tür erneut auf, ein junger Mann aus Pakistan kommt herein, der Ukrainer steht auf, verlässt den Raum und kommt auch nicht wieder. Auf meine etwas erstaunte Frage, was das nun soll, erklärt mir der Pakistane, dass ein Ukrainer sich nicht mit einem Pakistanen an den Tisch setzt. „Das fängt ja schon mal gut an!“, dachte ich mir da nur.

 

Die größte Herausforderung habe ich allerdings völlig unterschätzt, nämlich die Heterogenität der Gruppen. Das lag wohl daran, dass ich in meinem richtigen Beruf als Lehrerin jeden Tag damit konfrontiert bin. Allerdings nicht in dieser Form, wie ich bereits an den weiteren Abenden feststellen musste. Leute mit null Deutschkenntnissen oder gehörlos und taubstumm bis zu Leuten mit denen man sich bereits recht gut unterhalten konnte, saßen nun jeden Montag in meinem Kurs und alle wollten nur Eines: ICH sollte ihnen Deutsch beibringen.

 

Tatsächlich klappt das bis heute ganz gut mit Händen und Füßen und zum Glück gibt es auch das Internet, in dem man jede Menge hilfreiches Material findet. Ich bin auch immer wieder erstaunt, mit welchen Fragen zur deutschen Sprache ich konfrontiert werde. Da muss ich manchmal selbst überlegen, obwohl ich bestimmt schon fast 33 Jahre unsere Sprache spreche. Und welcher Lehrer bekommt schon im alltäglichen Unterricht jedesmal ein „Dankeschön“ nach zwei Stunden Powerdeutsch zu hören? :-)

 

Es hat sich auch recht schnell eine gewisse Vertrautheit eingestellt, sodass ich nicht nur Lehrerin für die Flüchtlinge bin, sondern ihnen gelegentlich bei anderen Dingen behilflich bin, z.B. Ämtergänge, E-Mails schreiben, etc.

Außerdem habe ich im letzten halben Jahr viele tolle Menschen kennengelernt, die sich ebenfalls für die Flüchtlinge engagieren und mit denen es wirklich toll ist zusammenzuarbeiten. Danke dafür!

 

Die Arbeit bei Netz-Asyl hat mich jedenfalls so sehr begeistert, dass ich mich im nächsten Schuljahr spontan für eine Übergangsklasse gemeldet habe, als ich erfahren habe, dass Lehrer dafür gesucht werden.

Bei all den negativen Kommentaren, die man in den Medien und sozialen Netzwerken immer wieder lesen und hören kann, möchte ich nur sagen: „Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich und durch ehrenamtliche Hilfe die Menschen und ihre Schicksale kennenzulernen noch viel mehr!“

 

Melanie Hummel

Netz-Asyl

27. April 2016:

Vor „Unbekanntem“ fürchtet man sich oder man wird zumindest vorsichtig – eine normale Reaktion des Menschen. Daher ist es wichtig, das „Unbekannte“, „Fremde“ kennenzulernen.

 

Gerade Sport hat die Kraft, Menschen auch über kulturelle Unterschiede hinweg zusammenzubringen, sich kennen zu lernen und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Sport fördert die Begegnung, schafft Verständigung und baut wechselseitige Vorurteile im gemeinsamen Erleben ab.

 

„Wer miteinander einen Doppelpass gespielt hat lernt sich kennen und schätzen!“

 

Praktisch heißt das, ich versuche Flüchtlinge in Sportvereine oder andere Freizeitunternehmungen unterzubringen, sei es nur zum gemeinsamen Training. Ohne große sportliche Ambitionen. Die Flüchtlinge sollen raus aus Ihren Unterkünften, sollen sich sportlich betätigen, sollen Kontakt mit anderen v.a. deutschen Mitbürgern haben, die deutsche Sprache wird erlernt. Im Idealfall entstehen auch Freundschaften mit deutschen Mitsportlern.

 

Dabei bin ich auf die Offenheit, Bereitschaft und Mitarbeit der Vereine und anderer Organisationen angewiesen.

 

Ich weiß, meine Arbeit ist nur ein kleiner Beitrag zur Integration, aber viele kleine Beiträge machen ein großes Ganzes.

 

Flüchtlingshilfe Neumarkt

Wilhelm Müller

Unsere Patenschaft

28. März 2016 - Seit ein paar Monaten kümmern wir uns um eine somalische Familie: Yahya, der Mann, ist 22, seine Frau Sacdiya, ist 21 und Afnan, ihre Tochter, ist 11 Monalte alt. Ein weiteres Kind ist unterwegs. Die Familie ist im Nürnberger Hof untergebracht.

Gleich, nachdem wir sie kennengelernt haben, habe ich angefangen, Yahya Deutsch beizubringen. Seine Frau war zu dem Zeitpunkt bereits Mitglied einer Gruppe von 3 oder 4 Frauen, die von einer Deutschen unterrichtet werden, und die in ihrer Gruppe bleiben will. Somit erhält Yahya von mir Einzelunterricht, und zwar dreimal die Woche 1 Stunde (Di, Mi, Do).

 

Ein sehr großes Problem war zu Beginn, dass es für die Sprache Somali nur 2 Wörterbücher gibt: „Deutsch-Somali /Somali-Englisch-Deutsch: German-Somali and Somali-English-German“ von  Mohamed A Farah und Dietmar Heck (24,90€ bei Amazon, sowie „5000+ Deutsch - Somali Somali - Deutsch Vokabular“ von Gilad Soffer  (9,26€ bei Amazon). Ersteres ist das bessere von beiden und das zweite kann es nur ergänzen, ist aber entbehrlich. Dennoch bleiben viele Fragen offen und viele Vokabeln unberücksichtigt. Die Tatsache, dass im ersten Wörterbuch auch Englisch – Somali zu finden ist hilft nur dann weiter, wenn der Lernende mindestens Grundkenntnisse in Englisch hat. Aus dem Internet habe ich mir den deutschen Grundwortschatz besorgt, den das Goethe-Institut zusammengestellt hat. Dieser kam zum Einsatz, nachdem ich mit Yahya das Heft „Ach so“ von Anne Bietz (sehr empfehlenswert, nur wenige Schwächen!!!) durchgearbeitet hatte. Bei der Wortschatzerschließung hat mir mein Tablet ungeheuer viel geholfen: wenn es sich nicht um Abstrakta handelt, kann man mit dem jeweiligen Begriff über google/bilder veranschaulichen, wovon die Rede ist.

 

Nützliche Links für alle, die Deutsch unterrichten (wollen/werden):

www.deutschalsfremdsprache.ch/

https://de.islcollective.com/

www.equal-sepa.de/material/Produkte/start_Praxishilfen.htm (vor allem Punkt 4!)

www.lingolia.com/de/daf

www.equal-sepa.de/material/Produkte/start_Praxishilfen.htm

www.goethe.de/de/spr/flu.html

wikis.zum.de/willkommen/Materialien/Arbeitsbl%C3%A4tter

 

Wir freuen uns darüber, dass sich Yahya sehr anstrengt, um schnellstmöglich Fortschritte im Deutschen zu machen, da ihm sehr genau bewusst ist, dass ohne die deutsche Sprache nichts möglich ist. Er ist sowohl lernbereit als auch lernbegierig.

Nachdem Yahya den Deutschtest in der Berufschule gut bestanden hatte, war er sehr enttäuscht, dass er nicht in eine Klasse aufgenommen werden konnte, weil er die Altersgrenze um 1 Jahr überschritten hatte. Er wäre nur genommen worden, wenn sich nicht genügend Bewerber innerhalb der festgelegten Altersgruppe gemeldet hätten. So wurden ihm Flüchtlinge mit wenig bis keinen Deutschkenntnissen vorgezogen. Seine Frau war eingeladen worden, aber auf Grund ihrer Schwangerschaft war ihr eine Teilnahme leider nicht möglich.

 

Yahya hat den Wunsch, Elektriker zu werden. Folglich bin ich mit ihm zum Arbeitsamt gegangen, um ihn dort aktenkundig zu machen. Mittlerweile ist er dort für einen Deutschkurs für berufsbezogenes Vokabular im April vorgesehen. Die Sachbearbeiterin prüft wegen seiner mittlerweile brauchbaren Deutschkenntnisse, ob sie ihn eventuell als Azubi bei eine Firma in Neumarkt unterbringen kann. Ich habe ihm am PC das Angebot und die Möglichkeiten der Agentur für Arbeit aufgezeigt, und er will dem Nürnberger Berufs-Informations-Zentrum (BIZ) einen Besuch abstatten. Als er die Vielzahl möglicher Berufe gesehen hat, ist der Entschluss Elektriker zu werden (zuhause in Mogadischui war er Journalist) ins Wanken geraten. Abhängig davon, was er im BIZ alles findet, könnte das in einer Umorientierung enden  -  wer weiß?

Wir haben aus dem Babyfundus unseres Sohnes ein paar Sachen für das Kleinkind gespendet und auch Sacdiya zu ihrem Geburtstag Schuhe gekauft. Wir fungieren auch als „Taxi-Unternehmen“ für die Familie, wenn es z.B. zu Behörden oder zum „Café der Kulturen“ im G6 geht. Wenn der Frühling weiter fortgeschritten ist, werden wir auch Autofahrten ins Umland unternehmen, um unseren Schützlingen ein paar Eindrücke von Bayern zu vermitteln.

 

Im Rahmen des Deutschunterrichts kommen natürlich auch Unterschiede der beiden Kulturen zur Sprache: ob das nun Verkehrsregeln sind, oder unterschiedliches Essen oder deutsche Feiertage (wie jetzt das kommende Osterfest), es gibt riesigen (!) Informations- und Lernbedarf.

 

Als heikler Punkt hat sich die Religion unserer Somalier herausgestellt: als wir die Familie eingeladen hatten, mit uns am Heiligen Abend in die Kirche zu gehen, um so etwas auch einmal zu erleben, bestand die Antwort aus reinem Entsetzen, so in etwa, als stünden sie dem Teufel gegenüber oder als ob wir sie bekehren wollten. Nach einem Besuch im Touristenbüro in der Rathauspassage habe ich vorgeschlagen, das Münster zu besichtigen, aber auch hier war die Reaktion entsetzte und schockierte Ablehnung. Folglich machen wir erst einmal eine großen Bogen um religiöse Fragen. Vielleicht ändert sich das ja im Lauf der Enkulturisation noch?

Als Nächstes ist vorgesehen, dass unsere Schützlinge bei uns an Ostern gemeinsam mit uns ein somalisches Mahl zubereiten, zu dem wir vorher gemeinsam einkaufen werden.

 

Wir, das bin ich, pensionierter Gymnasiallehrer für Französisch und Englisch (65), meine Frau, Sekretärin (61) und unser Sohn, Abiturient (20). Uns macht die Hilfe für unsere Somalis Spaß, und die Familie ist uns schon ans Herz gewachsen. Wir hoffen auf eine gute Zukunft für die Drei (bald Vier)!

Familie Hago Meyer

11. März 2016  -  EIN Beispiel, wie man "Patenschaft" gestalten kann:

 

Wir kümmern uns um eine junge Familie mit einem kleinen Kind aus Eritrea. Bisher haben wir sie begleitet

  • zu Arztterminen - was bei einem Baby öfters der Fall ist wegen der Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen
  • bei Behördengängen - z. B. geholfen, einen Übersetzer für tigrinisch aus Weiden zu organisieren, um eine Geburtsurkunde (u.a. war auch eine Vaterschaftserklärung nötig) für das Kind zu erhalten;
  • Termine beim Arbeitsamt etc.

Wir halten mindestens einmal wöchentlich Kontakt zur Familie, lernen Deutsch miteinander und versuchen bei anfallenden Probleme mitzuhelfen. Wir haben z.B. einen Krippenplatz gesucht, damit die junge Mama im Herbst in die Berufsschule gehen kann.

Die Tätigkeit entwickelt sich nach und nach von selbst und macht neben mancher Anstrengung doch viel Spass.

 

Helferfamilie "Gesi"

 

1. März 2016:

Ich weiss heute nicht mehr, welcher Teufel mich geritten haben muss, als ich einer Einladung „Flüchtlingshilfe Neumarkt sucht Helfer“ im letzten Jahr gefolgt bin.

Als „Ruheständler“ nach einem bewegten Berufsleben hatte ich es nämlich durchaus genossen, quasi „nichts“ zu tun.

 

Denn wenige Tage nach diesem Treffen hatte ich wieder etwas zu tun – ganz freiwillig! Und es machte von Anfang an Spass, zwei jungen Afrikanern Deutschunterricht zu geben. Jedes Mal ging ich nach der Unterrichtsstunde mit einem Glücksgefühl nachhause. Besonders im Gedächtnis bleibt mir unsere Deutschstunde „live“ im Supermarkt! Bald schon entstand eine gegenseitige Vertrautheit und damit auch weitere Hilfestellungen, z. B. Begleitung zu einem Amt, den Arztbesuch zu organisieren oder zu übersetzen.

Beim Spazierengehen oder Wandern oder Radfahren begegneten wir natürlich vielen Blicken, die uns – ein weiss-schwarzes Gespann – betrachteten. In den allermeisten Fällen war ein Wohlwollen, eine Freude sichtbar, oft sogar ein Lächeln. So ist „Ruhestand“ ausgesprochen schön!

 

Ich glaube, meine Afrikaner haben von mir etwas deutsch und etwas „Deutschland“ gelernt. Aber ich weiss, dass mehr noch ich von ihnen gelernt habe: Ich habe einen kleinen und sehr authentischen Blick in afrikanische Verhältnisse bekommen, ich habe erfahren, was es heisst, heutzutage „auf der Flucht“ zu sein. Der eine war zwei, der andere sechs Jahre unterwegs. Ich habe auch gelernt, mein Land mit anderen Augen zu sehen und das Selbstverständliche wieder bewusster zu sehen und zu schätzen.

 

Ich bin darüber hinaus auch mit anderen Flüchtlingen verschiedener Herkunftsländer in Kontakt gekommen. Ich habe auch viele andere ehrenamtliche Helfer kennengelernt, denn eine umfassende Flüchtlingshilfe erfordert den Austausch von Kenntnissen und Erfahrungen mit anderen Helfern - eine echte Bereicherung!

 

Einer von beiden  ist mittlerweile nicht mehr hier, seine Flucht geht weiter.

 

Ich werde auf jeden Fall weiterhin helfen - einerseits Flüchtlingen „direkt“ in Form von Unterricht, Patenschaft oder dergl., aber auch andererseits „indirekt“ durch Tätigkeiten in der Helfergruppe der Flüchtlingshilfe Neumarkt.

 

Harald Salzmann
Flüchtlingshilfe Neumarkt

7. Februar 2016:

Ich bin im Frühjahr 2015 zur Flüchtlingshilfe Neumarkt gestoßen mit dem Wunsch, eine Flüchtlingsfamilie zu finden, um die ich mich speziell kümmern kann.
Es dauerte einige Wochen, bevor ich durch eine Sachspendenübergabe des Vereins Chancen statt Grenzen e.V. in Loderbach auf eine vierköpfige Familie aus der Ukraine stieß, mit der ich mich schnell anfreundete.
Unter aktiver Mithilfe von einigen anderen schon länger tätigen Ehrenamtlichen, u. a. Olga und Inge, haben die Eltern und die beiden Kinder so nach und nach immer mehr Möglichkeiten bekommen, sich zu integrieren.
Allerdings warten sie immer noch auf die Bearbeitung ihres Asylantrags und die Ungewissheit über den Ausgang schwebt dauernd über uns allen.

Mit dieser Erfahrung im Rücken, habe ich mich bereit erklärt, mich im Besonderen um die Vermittlung von Patenschaften für andere Freiwillige zu kümmern.
Im Verein Chancen statt Grenzen e.V. bekam ich die Möglichkeit, dafür eine Datenbank zu nutzen, was die Arbeit zwar erleichtert, sie aber nicht erledigt.
Auf der einen Seite muss ich den Kontakt zu Flüchtlingen suchen, sei es direkt oder über die Diakonie bzw. die Betreiber der Unterkünfte. Andererseits haben sich zwar viele Helfer als potentielle Paten gemeldet, aber im konkreten Einzelfall gibt es einiges abzuklären.
Dies können Sprachbarrieren, zeitliche und/oder örtliche Einschränkungen, besondere Wünsche nach Geschlecht, Alter, Herkunft, Familienstand u.ä. sein. Aber inzwischen sind etliche Patenschaften entstanden, viele halten noch an, manche sind aber auch abgebrochen worden, weil gegenseitige Erwartungen nicht erfüllt wurden. Letzteres ist aber ein normaler Vorgang, wie in allen Beziehungen muss auch in einer Patenschaft die Chemie stimmen.

Heute habe ich mehrere ungelöste Patenschaftsbitten seitens Betreibern und der Diakonie.
Zumeist wegen total fehlender Fremdsprachenkenntnis der Asylbewerber, oder auch wenn es sich noch dazu um ältere Paare aus Armenien oder der Ukraine handelt. In Familien mit Kindern sind diese oft schon gute Dolmetscher, wenn sie bereits in die Schule gehen; das macht es für Paten oft leichter, wenn die Eltern sprachlich noch nicht so weit sind.

Wir Helfer von der Flüchtlingshilfe Neumarkt und von Chancen statt Grenzen e.V. machen bei unserem Angebot keine Unterschiede zwischen den Menschen aus Kriegsgebieten oder aus sogenannten sicheren Herkunftsländern.
Aber die drohende Abschiebung für sehr viele Asylbewerber belastet die Helfer ähnlich wie die Flüchtlinge selbst.
Nachdem aber die Bearbeitungszeiten der Anträge sich teilweise bereits über Jahre hinziehen, ist jede Art von Hilfe immer und überall angebracht.


Und es lohnt sich, sowohl für die Flüchtlinge als auch für die Helfer, auch bei dem teilweise sehr hohen emotionalen und zeitlichen Einsatz.

Fritz Fückert

Flüchtlingshilfe Neumarkt
und
Chancen statt Grenzen e.V.

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